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Der italienische Arbeitsmarkt ist geprägt durch eine starke Stellung der Gewerkschaften. Zum einen haben die italienischen Gewerkschaften einen hohen Organisationsgrad und damit in Tarifauseinandersetzungen und eventuell daraus resultierenden Arbeitskämpfen eine hohe Mobilisierungsfähigkeit. Zum anderen gibt es in Italien keine Einheitsgewerkschaft wie in Deutschland sondern miteinander im Wettbewerb stehende Gewerkschaften, die unterschiedlichen politischen Strömungen zuzuordnen sind. Diese Konkurrenz führt dazu, dass die Gewerkschaften großes Interesse an bestmöglichen Tarifabschlüssen haben, um für ihre Mitglieder attraktiv zu bleiben und Neue dazuzugewinnen.
Diese Verhandlungsmacht und -motivation führt dazu, dass Regelungen in Tarifverträgen für die Arbeitnehmer meist besser sind als die gesetzlichen Vorschriften. Dies gilt zum Beispiel für den Anspruch auf Urlaub: Gesetzlich stehen den Arbeitnehmern vier Arbeitswochen, also 20 Tage, zu, die tariflichen Regelungen liegen aber oftmals höher bei 26 bis sogar 32 Tagen. Für Mindestlöhne ist dasselbe festzustellen: Einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn gibt es nicht, in vielen Tarifverträgen haben Gewerkschaften und Arbeitgeber aber einen vereinbart.
Beim Kündigungsschutz haben Arbeitnehmer mit unbefristeten Verträgen eine im Vergleich mit anderen europäischen Ländern starke Stellung. Das Aussprechen einer ordentlichen Kündigung durch den Arbeitgeber mit Berücksichtigung der einzuhaltenden Kündigungsfrist, welche die Tarifpartner nach den Kriterien Dauer der Betriebszugehörigkeit und Qualifikation der Arbeitnehmer festlegen, muss begründet sein. Der Arbeitnehmer hat daraufhin die Möglichkeit, diesem Grund zu widersprechen. Es folgt ein Schlichtungsverfahren. Wird in diesem Verfahren keine Einigung erzielt, spricht ein Arbeitsgericht ein Urteil. Bei Unrechtmäßigkeit der Kündigung wird diese annulliert. Bei rechtmäßigen Kündigungen hat der Entlassene Anspruch auf eine Abfindung.
Auf Grund von Reformen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat die Anzahl an befristeten Verträgen im letzten Jahrzehnt aber stark zugenommen. Diese Entwicklung hat den Nachteil, dass sich mehr Arbeitnehmer in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen befinden. Angesichts einer enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit bieten andererseits befristete Verträge jungen Menschen die Chance, überhaupt Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten.
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